Im Hinspiel hatte alles geklappt, im Rückspiel am Sonntagnachmittag ging so ziemlich alles schief: Mit 0:3 (17:25, 16:25, 16:25) ging der USC Münster vor eigenem Publikum gegen den Tabellenführer und Meisterschafts-Mitfavoriten Rote Raben Vilsbiburg baden. Der Coup aus dem Match einen Tag vor Heiligabend (3:0 für die Unabhängigen) ließ sich nicht wiederholen.
Schade für die Westfälinnen, nicht nur weil sie mit der siebten Saisonniederlage vom vierten auf den fünften Tabellenrang im Bundesliga-Klassement zurückrutschen, sondern weil sie es verpassten, den immerhin 1711 Zuschauern am Berg Fidel zu zeigen, was die Mannschaft eigentlich kann und Werbung in eigener Sache zu machen. Am Sonntag war von den vielen Qualitäten, mit denen die Münsteranerinnen schon im Verlauf der Saison aufwarteten, nicht viel zu sehen. Hatten die Volleyballerinnen von Trainer Axel Büring am letzten Sonntag im Januar gegen ein weiteres Liga-Schwergewicht, den amtierenden Meister Schweriner SC, noch ein zumindest spannendes und phasenweise begeisterndes Match gezeigt, das sie erst im Tiebreak verloren, war am Sonntag nach 71 Spielminuten Feierabend. Erstmals in dieser Serie blieben die Unabhängigen in der Liga daheim überhaupt ohne Satzgewinn.
Verunsicherung zu spüren
Nach zwei Niederlagen in Folge war es wohl auch ein Stück weit Verunsicherung auf Seiten der Gastgeberinnen, die dazu führte, dass Münster den Raben kaum etwas Ernsthaftes entgegenzusetzen vermochten. Sicher, der Vilsbiburger Kader gehört zu den drei besten im deutschen Volleyball-Oberhaus, doch hatte der USC in der Vergangenheit ja des Öfteren gezeigt, dass er mit der Liga-Spitze eigentlich ganz gut mithalten kann. Und auch die Ausgangssituation deutete nicht auf ein so schnelles Ende der USC-Ambitionen hin: Mit Michaela Jelinkova (Zuspiel), den Angreiferinnen Hana Cutura, Lonneke Sloetjes und Ines Bathen, Andrea Berg und Lea Hildebrand im Block, sowie Libera Linda Dörendahl konnte Büring in Bestbesetzung beginnen, mit dieser Startsechs hat der USC jedenfalls seine meisten Saisonspiele begonnen.
Nur kurz auf Augenhöhe
Annähernd auf Augenhöhe mit den Niederbayern befanden sich die Unabhängigen allerdings nur bis zur ersten Technischen Auszeit (7:8). Bis dahin war die Aufschlagqualität der Westfalen in Ordnung, Raben-Libera Lenka Dürr hatte gut zu tun. Doch Münster wich danach von seiner Linie ab – sicher keine freiwillige Entscheidung, doch diese Entwicklung nur mit gestiegener Qualität der Gäste erklären zu wollen, wäre zu einfach. Bei 7:12 hatte Büring bereits beide Auszeiten verbraucht, doch weder die Annahme, noch den Block machten die Gesprächsrunden besser. Zudem kam der USC mit seinen Angriffen auf der Vier überhaupt nicht durch, auf dieser Position war praktisch alles Beute des Raben-Blocks. Ohne großen Glanz, aber kernsolide setzten sich die Süddeutschen weiter ab, über 16:10 auf 23:17, Raben-Kapitän machte nach 23 Minuten den Deckel auf den ersten Set.
Wechsel fruchten nicht
Im Prinzip ist die Geschichte dieses Spiels damit bereits erzählt, denn in den beiden folgenden Durchgängen änderte sich auf beiden Seiten des Netzes kaum etwas. Aus einer guten Annahme heraus hatte Vilsbiburgs Stellerin mit münsterländischen Wurzeln, Lena Möllers, leichtes Spiel, ihre Angreiferinnen richtig einzusetzen, Todd (12), Djuric (11) und Benedito (10) punkteten nahezu ausgeglichen. Büring versuchte mit Wechseln gegen den negativen Trend zu arbeiten, doch weder Mindi Wiley (ab dem zweiten Set für Andrea Berg), noch Sina Fuchs (für Ines Bathen) waren im Stande, das Ruder herumzureißen. Münster hatte schlicht und ergreifend einen gebrauchten Tag erwischt. Und so war nach 71 Minuten eben Schluss, ohne dass der USC auch nur annähernd ein Wort um irgendeinen Satzgewinn mitreden durfte, respektive konnte.
Was deutlich wurde, war der Unterschied zwischen den Unabhängigen und der echten Liga-Spitze mit Teams wie eben den Raben, dem Schweriner SC oder dem Dresdner SC: Es geht gar nicht darum, dass der USC nicht phasenweise im Stande ist, dieses Niveau zu spielen. Doch er kann es halt nicht konstant – die Top-Drei der Bundesliga aber wohl.
Büring: „Wie im Hinspiel – nur umgekehrt!“
Trainer Büring nahm die Niederlage mit einer gewissen Fassung hin. Solche Tage kennt der 44-Jährige aus 18-jähriger Trainererfahrung eben. „Das war heute so ähnlich wie im Dezember im Hinspiel in Vilsbiburg. Nur eben genau andersrum. Die Raben haben heute klar dominiert, wir sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen. In den Bereichen Aufschlag/Annahme und Block/Feldabwehr waren wir schwach“, so Büring auch in Bezug auf die 16 Aufschlagfehler seiner Truppe. Büring weiter: „Schade, dass wir unsere Leistung heute nicht abgerufen haben, aber solche Tage gibt es. Wir werden jetzt nicht in Panik verfallen – auch wenn wir alle nun sehr enttäuscht sind.“ Viel Zeit zum Nachdenken bleibt den Unabhängigen auch gar nicht: Am kommenden Mittwoch sind die Münsteranerinnen beim noch amtierenden Pokalsieger SA Stuttgart gefordert.
(Quelle: Echo-Münster/Lutz Hackmann)