Das war knapp an einer faustdicken Überraschung vorbei: Erst im Tiebreak musste sich Volleyball-Bundesligist USC Münster am Samstagabend beim Tabellenzweiten 1. VC Wiesbaden geschlagen geben. Nach großem Kampf unterlagen Axel Bürings Unabhängige dem haushohen Favoriten aus Rheinhessen mit 2:3 (26:24, 19:25, 11:25, 25:23, 12:15).
Es war eine phänomenale Steigerung der Unabhängigen gegenüber den letzten Auswärtspartien, wo der USC in den letzten drei Spielen keinen Satz gewinnen konnte. Zwar wechselten auch in der Wiesbadener Halle am 2. Ring bei den Westfälinnen Licht und Schatten, letztlich aber überwogen die positiven Aspekte aus USC-Sicht deutlich – auch wenn es zur kleinen Sensation am Ende nicht reichte.
USC spielt munter mit
Schon im ersten Satz zeigten die durch das Fehlen von Stamm-Zuspielerin Michaela Jelinkova (Virusinfektion) ersatzgeschwächten Münsteranerinnen, dass sie sich vor den über 1000 Zuschauern gegen stark besetzte Wiesbadenerinnen nicht mit der Statistenrolle begnügen wollen würden. Das Spiel wogte hin und her. Auch als der mit Kathi Holzgreve in der Regie und Claudia Bimberg für die angeschlagene Lea Hildebrand aufgelaufene USC mit 16:14 in die zweite Technische Auszeit ging, und danach noch 20:17 führte, war keine Vorentscheidung gefallen. In der Satzverlängerung holten sich Bürings Akteurinnen den Set – doch das Selbstbewusstsein, was sich hätte einstellen können und dürfen, war im zweiten Abschnitt schnell dahin.
Negativ-Muster
Über 8:4, 14:9 und 16:10 distanzierten Xiaojun Yangs Wiesbadenerinnen ihren Herausforderer aus Westfalen, das 25:19 war eine klare Antwort auf den verlorenen ersten Satz. Und dann drehten die Hessen richtig auf – respektive der USC verfiel wieder Negativ-Muster. Nur elf Ballpunkte kratzte Münster im dritten Satz nach 2:16 und 5:20 zusammen.
Das Publikum, jetzt von einem schnellen 3:1 ausgehend, traute seinen Augen nicht, als der USC – eigentlich ja in der psychologisch schlechteren Lage – das Herz in die Hand nahm, dem Favoriten Paroli bot. Und noch frecher: Mit 25:23 nach teilweise hohen Rückstanden den Satzausgleich schaffte. “Das hat mich besonders stolz gemacht, dass wir das noch umgebogen haben”, so Büring.
VCW cleverer
Am Ende war der VCW das cleverere Team. Münster tat alles für den Sieg, bei 8:8 waren die beiden Kontrahenten immer noch gleich auf. Doch ein kurzer Zwischensprint der Wiesbadenerinnen auf 12:9 war entscheidend. Mit allen Mitteln kam der USC auf 11:12 ran, doch der Tabellenzweite konterte zum 14:11. Mit dem zweiten Matchball dann entgingen die daheim in dieser Saison noch ungeschlagenen Gastgeber nach 121 Nettominuten der ersten Niederlage.
“Am Ende bin ich stolz und traurig, weil die Chance zum Sieg da war. Doch unter den gegebenen Voraussetzungen war das ordentlich. Zufrieden aber wäre ich gewesen, wenn wir gewonnen hätten”, fand Büring. Der USC ist schon am Mittwoch wieder gefragt: Beim Liga-Dritten, den Roten Raben Vilsbiburg, müssen die Unabhängigen antreten.
(Quelle: Echo-Münster/Lutz Hackmann)