Gut drei Jahre ist es her, da feierte der USC Münster sein vorerst letztes großes Fest. Im Mai 2005 strömten 4500 Zuschauer in die Halle Berg Fidel, um ein 3:0 gegen die Roten Raben Vilsbiburg und damit den neunten Meistertitel des Unabhängigen Sportclubs zu feiern. 4500 lautete die offizielle Zahl, gut 6000 sollen tatsächlich im „Volleydome“ gewesen sein.
Doch mit der Volleyball-Herrlichkeit ist es vorbei, im Jahr 2008 herrscht Tristesse, und die Macher werden von Sorgen geplagt. Auf den letzten Titel folgten die Plätze vier, sieben und neun. Die laufende Spielzeit begann wie das Spiegelbild der vorangegangenen. Nach sechs Runden ziert der USC mit 0:12 Punkten das Tabellenende. Beim Doppelspieltag am vergangenen Wochenende gab es erst ein 2:3 beim Köpenicker SC Berlin und dann ein 0:3 beim Zurich Team VC Olympia Berlin. Die Hauptstadt war für Münster alles andere als eine Reise wert.
Der USC - nicht Preußen - war das Aushängeschild Münsters
Dabei hatte der damalige USC-Vorstandssprecher Hans-Ulrich Frank doch erst vor gut einem Jahr noch hohe Ziele formuliert: „Im Jahr 2011 feiern wir fünfzigjähriges Bestehen, und dann wollen wir wieder zur europäischen Spitze gehören.“ Im November 2008 ist aber von Festtagsstimmung überhaupt nichts zu spüren, die neue Vereinsführung muss sich aus der Not heraus wesentlich bescheidener geben. „2011 hoffen wir auf einen gefestigten Mittelfeldplatz“, sagt Matthias Fell, der am 25. September als Nachfolger Franks gewählt worden war.
Matthias Fell hat schon manche marode sportliche Vereinigung auf Vordermann gebracht. Mitte der neunziger Jahre begann der „Sparfuchs“, wie sie ihn nennen, beim Westdeutschen Volleyball-Verband als dessen Präsident mit Aufräumarbeiten. Heute ist der mitgliederstärkste Landesverband der Volleyballer gesund und leistungsstark. Fell ist immer noch WVV-Chef und auch Gründungsvorsitzender des USC Münster. Es sei ihm eine Herzensangelegenheit gewesen, seinem Verein wieder auf die schwachen Beine zu helfen. Doch was er schon am ersten Tag nach Amtsantritt in und auf seinem Präsidentenschreibtisch an Zahlen und Fakten vorgefunden hat, übertraf seine schlimmsten Erwartungen. Es kamen mehr und mehr Verbindlichkeiten zutage, „als bei der Mitgliederversammlung bekannt waren“, sagt er. Aktuell läge die Deckungslücke irgendwo zwischen 200.000 und 250.000 Euro.
„Alle werden in die Pflicht genommen“
Über das Missmanagement seiner Vorgänger will er lieber nicht sprechen. Die „Vergangenheitsbewältigung“, wie Fell die Prüfung der Kassenbücher nennt, ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Auf jeden Fall lassen die Löcher in der Kasse keine weitere Verschuldung zu, ergo kann Trainer Axel Büring nicht mit Einkäufen auf dem Spielermarkt rechnen, die für eine sportliche Wende sorgen könnten. „Wir müssen einen Weg finden zwischen wirtschaftlicher Vernunft und sportlicher Notwendigkeit“, sagt Fell.
Im Klartext heißt das: „Siege gegen Sonthofen, Aachen und Chemnitz sind Pflicht. Für alles andere müssen das intakte Umfeld wie unser Fanclub Critters und unser Beirat sorgen.“ Fell hat namhafte Mitstreiter wie Münsters erste Bürgermeisterin Karin Reismann oder den früheren CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz in seinem zehnköpfigen Beirat. „Alle werden in die Pflicht genommen, schließlich ist der USC auch ein Aushängeschild für die Stadt“, sagt er. Zeitweise genossen die Volleyballerinnen mehr Ansehen als die Fußballer von Preußen Münster, die über die Drittklassigkeit nicht hinausgekommen sind. Erfolgreicher waren die USC-Spielerinnen in jedem Fall.
Das Who’s who des deutschen Frauen-Volleyballs spielte hier
Aber sie haben den Anschluss an die nationale Spitze verpasst. Vereine wie Dresden und Schwerin setzen mehr und mehr auf eigene Nachwuchsspielerinnen. In Münster wurde dagegen der konsequente Aufbau junger Talente versäumt. Trainer wie Axel Büring oder Olaf Kortmann in den neunziger Jahren konnten immer wieder mit gestandenen Kräften arbeiten, die man mit lukrativen Angeboten nach Münster gelockt hatte.
Angelina Grün, Ulrike Schmidt, Ines Pianka, Nancy Celis, Beate Bühler – und, und, und. Das Who’s who des deutschen Frauen-Volleyballs sorgte in Münster für die Erfolge, den letzten Titel holte der USC mit der langjährigen Nationalmannschafts-Zuspielerin Tanja Hart. 2008 hat der Klub dagegen einen Kader der Namenlosen. Eine aktuelle deutsche Nationalspielerin ist nicht darunter. Wenige Tage vor Saisonbeginn hatte sich zudem noch Spielführerin Andrea Berg im Trainingslager einen Kreuzbandriss zugezogen. Ein Ausfall, der nicht zu ersetzen ist.
Der Leuchtturm soll weiter strahlen
Doch Matthias Fell hätte die Leitung auf der Baustelle in seiner Heimatstadt nicht übernommen, sähe er nicht Licht am Ende des Tunnels. Seit einem Jahr gibt es mit dem Pascal-Gymnasium eine sportbetonte Schule, der ein Internat angeschlossen ist, in dem schon fünf Jugend- und eine Junioren-Nationalspielerin untergebracht sind. „Wir können nur durch Eigengewächse wieder nach oben kommen“, sagt er.
Am Sonntag warten die Fighting Kangaroos Chemnitz auf Münster, anschließend tritt Sonthofen im Berg Fidel an. Beide sind ebenfalls noch ohne Sieg und zählen zu denen, gegen die Fell die Pflichtsiege fordert. Vor einem Jahr schaffte der USC im siebten Spiel den ersten Sieg. Sollte es in Chemnitz auch klappen, wird Fell ein wenig durchatmen können und an die ruhmreicheren Tage zurückdenken: „Der USC war immer der Leuchtturm im Volleyball-Westen, und das soll er auch bleiben.“
(Quelle: F.A.Z.)