USC startet in die Saison: Kleiner Kader, neue Kräfte
Mikasa MVA 200 heißt der Volleyball, der bei Olympia in Peking übers Netz flog. Und ab dem Wochenende offizieller Spielball in der Bundesliga ist. Ob diese Neuerung – der Ball soll flattern und schwer anzunehmen sein – maßgeblich ist, wird sich weisen.
Maßgeblich ist der neue Spielmodus der auf 14 Teams vergrößerten 1. Liga und maßgeblich für die Spielerinnen des USC Münster ist, dass sie in ihrem kleinen Kreis Schulter an Schulter arbeiten werden.
Neunköpfig zuerst in Suhl gefordert
Der finanziell schwer gebeutelte Rekordmeister wird am Samstag in der „Wolfsgrube“ des VfB Suhl mit einem neunköpfigen Kader antreten. Tags zuvor wird Dr. Stephan Maurer die außer Gefecht gesetzte USC-Kapitänin Andrea Berg operieren und erst beim Blick ins Knie feststellen können, was genau in dem Gelenk nicht stimmt. Libera Lisa Thomsen ist jetzt Kapitänin und „hat sich sehr gefreut über die Auszeichnung.“ Trainer Axel Büring weiß: Die selbstbewusste 23-Jährige übernimmt gerne Verantwortung.
„Eins zu eins ist Andrea nicht zu ersetzen“, kennt Axel Büring die Schwächung seines Teams. „Diese Erfahrung und diese Qualität im Spiel hat niemand sonst.“ Der USC, der wie berichtet den neuen Etat schon mit einer Unterdeckung planen muss, wird die Mittelblockerin gar nicht ersetzen können. Transfers sind nicht drin, Schluss aus. Büring muss damit leben, dass der Anzug auf Kante genäht ist.
Fehler-Wiederholung vorbeugen
Trotzdem will er, trotzig-willig und spürbar motiviert, die letzte Spielzeit vergessen machen. „Wir haben uns damals zu viel mit Dingen im Umfeld beschäftigt, uns ablenken lassen, uns Druck aufgebaut“, sagte Büring im Gespräch mit echo-muenster. Und mit der Betrachtung schließt er die Rückschau ab. Intern habe man klare Strategien entwickelt und Verabredungen getroffen, die eine Wiederholung der Fehler vermeiden sollen. Das passt haargenau in die Neuaufstellung des gesamten Vereins, dessen neues Präsidium unter Matthias Fell „insgesamt positive Akzente setzen soll.“
“Das ist mein Verein”
Büring kann sich damit voll identifizieren. Könnte er das nicht, hätte er mit der Annahme eines lukrativen Angebots eines anderen Vereins geliebäugelt. Zumal er bis Mitte 2012 an den USC gebunden ist, verbot sich das Kokettieren aber. „Das ist mein Verein. Ich bin keiner, der wegläuft nach so einem Jahr.“ Er selbst wolle „wachsen an einer solchen Situation.“
Ein Freund soll Klartext sprechen
Tom kleine Holthaus, ein Freund seit Jahren, wird ihm dabei zur Seite stehen. Der neuerdings als Trainer für Spezialaufgaben (Technik, Analyse) eingebundene Mann ist stark als Berater Bürings gefragt und bei Bedarf auch gefordert, wenn der Blick von außen gewünscht wird. „Ich erwarte, dass er Klartext spricht“, so Büring. Ihm war es wichtig, „einen an der Seite zu haben, der bedingungslos zu mir steht“ und gerade deshalb ehrlich ist. Mit Til Kittel, Jahrgang ´78, ist ein neuer Co-Trainer im Amt. „Innovativ und mit tollen Ideen“ sieht Büring den Neuen.
Neues Tempo gefordert
War Doreen Engel in der letzten Serie im Zuspiel quasi alleine gefordert, so wird sie künftig vom Jobsharing mit der Australierin Anna Maycock profitieren. Die Nationalspielerin bietet eine größere Erfahrung an und soll das neue USC-Tempo prägen. Darauf hat Büring Wert gelegt: „Es mangelt uns ja an Handlungshöhe, also müssen wir andere Wege suchen, um punkten zu können.“
Nämlich durch deutlich schneller Angriffe, gewitzte Spielzüge überraschende Passagen. „Die Zeit muss kurz sein zwischen Zuspiel und Angriffsschlag.“ Anna Maycock komme es entgegen, wenn Geschwindigkeit gefordert ist. Und Doreen Engel „kann neue Ressourcen entdecken“ und mental an Stärke gewinnen, wenn sie nicht mehr alleine in der Verantwortung steht.
Auf „einem einstelligen Tabellenplatz“ will Büring den USC landen sehen und die Weiterentwicklung dokumentiert haben. „Erfolgreich zu sein auf Dauer, das muss unser Ziel sein. Um einen Titel holen zu können, muss man vielleicht sogar jahrelang arbeiten.“
Vier Neue in Suhl - plus Trainer
Die Thüringer aus Suhl haben einen geholt, den Pokalsieg nämlich zuletzt. Als Trainer kam Michael Schöps (51) für Han Abbing ins Amt. Der Niederländer ging nach vier Jahren weg zum DVV und wurde Nachwuchs-Bundestrainer. Suhl will um den DM-Titel mitspielen und hat Alesha Deesing, US-amerikanische Nationalspielerin, DVV-Nationalspielerin Dominice Steffen von NA Hamburg, die Polin Paulina Gomulka und nicht zuletzt die Ex-USC-Spielerin Birgit Thumm (28) verpflichtet.
Die gelernte Schornsteinfegerin war mit Allianz Volley Stuttgart aufgestiegen. Die 156-fache Nationalspielerin unterzog sich wegen eines Knorpelschadens im Knie ab Juli einer langen Therapie. Noch ist sie nicht voll bei Kräften und rechnet eher mit „Feuerwehr-Einsätzen“ in den ersten Wochen.
Dresden und ein paar andere
Axel Büring sieht den Dresdner SC seines Kumpels Arnd Ludwig als großen Titelfavoriten, Suhl und dem amtierenden Meister Rote Raben Vilsbiburg nahe dran, Hamburg und Schwerin ein bisschen weiter weg. Meisterrunde und Play-Off sind abgeschafft. Den Titel holte der Klub, der nach Hin- und Rückrunde oben ist. Ein Team steigt ab, die besten Juniorinnen Deutschlands spielen als VCO Berlin außer Konkurrenz mit und können nicht absteigen.
(Quelle: Echo-Münster)