3:2 Sensation in Münster
Samstag, 01. März 2008Als gut 50 Minuten gespielt waren und der Meisterschafts-Favorit und Tabellenführer Schweriner SC locker mit 2:0 Sätzen in Front lag, hätte wohl niemand der 1000 Zuschauer am Berg Fidel noch einen Pfifferling auf den USC Münster gegeben.
Doch die Volleyballerinnen von Trainer Axel Büring mussten in der folgenden 10-Minuten-Pause wohl irgendwo eine Motivations-Tankstelle aufgetan haben: In einer am Ende hochdramatischen Partie lehrten sie den Top-Klub aus Mecklenburg das Fürchten und drehten das Spiel noch um. 3:2 (20:25, 16:25, 25:21, 25:18, 17:15) hieß es nach dem fast zweieinhalbstündigen Fight.
SSC schaltet und waltet
Dabei hatten die Münsteranerinnen in den ersten beiden Durchgängen kaum ein Signal gegeben, dass es gegen Schwerin am Freitagabend anders werden würde, als am letzten Wochenende beim derben 0:3 in Dresden. Schwerin diktierte das Spielgeschehen nach Belieben, hatte in den Angreiferinnen Angela Kriwarot und der 1,96-Hünin Tina Gollan zwei Kräfte in seinen Reihen, die von Münsters Block und der Feldabwehr nur in den seltensten Fällen gestoppt werden konnten. Die 2:0-Satzführung der von Tore Aleksandersen trainierten Gäste war eindeutig – und hoch verdient.
Dann aber schien der SSC zu denken, dass der letzte Schritt zum dritten Setgewinn nun von alleine käme. Weit gefehlt: Der USC, der nun nichts mehr zu verlieren hatte, ließ sich durch die Schweriner Schlafmützigkeit nur zu gerne wieder in die Partie bringen. Der USC bekam mehr Sicherheit in seine Aktionen, immer mehr Blöcke bedeuteten auch Ballpunkte für die Hausherren. Ins Schweriner Spiel dagegen schlich sich der Schlendrian ein. In einer Bierruhe nahm der SSC den Rückstand hin, frei nach dem Motto: Es wird schon werden. Wurde es nicht: Die Mecklenburgerinnen schafften es einfach nicht, die Westfalen zu überholen. Als Münsters Tatjana Zautys gleich den ersten Satzball versenkte, war der USC-Kampfgeist endgültig geweckt.
USC kommt ins Match zurück
Schwerin dagegen hatte den Ernst der Lage im vierten Abschnitt immer noch nicht erkannt. Man ließ dem USC gewähren, der führte schnell mit 8:2. Die im dritten Satz eingewechselte Anika Brinkmann mit ihren wuchtigen Smashs, eine Kapitänin Andrea Berg, die mit ihrer Körpersprache nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Mannschaft aufweckte, vor allem aber die für Doreen Engel im zweiten Set eingewechselte Passerin Tasia Ryschkowa, bestimmten die Musik auf dem Feld. Alles wartete auf eine Reaktion des SSC – sie blieb aus. Oder anders formuliert: Der USC ließ sie nicht zu.
Zwei Matchbälle abgewehrt
Und welch ein Coup dann im Tiebreak. Trotz zweier diskussionswürdiger Schiedsrichter-Entscheidungen gegen den USC blieb die Büring-Sechs dran. Der Glaube an sich selbst verschwand nicht mal dann, als Schwerin sich anschickte, bei 14:12 nun den Sack zuzumachen. Zwei Matchbälle der Mecklenburgerinnen wehrten die Unabhängigen ab, ein sehenswerter Hinterfeldangriff der nur 172 Zentimeter großen Ines Bathen, die großartig spielte und schon das 16:15 gemacht hatte, beendete die Partie mit dem zweiten Matchball. Die Halle am Berg Fidel, die wahrlich schon bessere USC-Zeiten gesehen hat, stand Kopf, es war wie in alten Tagen. Das Volleydrom entwickelt sich im Übrigen wieder zur Festung: Es war der vierte Heimsieg des USC in Serie. Und Balsam für die Seele.
(Quelle: Echo-Münster/Lutz Hackmann)