Das war in dieser Saison ein neues Gefühl für die Volleyballerinnen des USC Münster, auf das sie allerdings wohl gerne verzichtet hätten: Erstmals in der laufenden Serie 2011/2012 verlor das Ensemble von Trainer Axel Büring zwei Bundesligaspiele in Folge.
Nach dem 2:3 am letzten Sonntag gegen den Deutschen Meister Schweriner SC mussten die Unabhängigen am Samstagabend dem bekannt heimstarken Gastgeber 1. VC Wiesbaden mit 1:3 den Vortritt lassen. Das Quantum an Glück, das sich der USC in dieser Saison schon ab und an erarbeitet hatte – zuletzt ja noch beim 3:2 gegen den SC Potsdam im vorletzten Heimspiel – schlug vor kanpp 1100 Zuschauern in der Halle am 2. Ring diesmal für den Gegner aus. Nach 119 Minuten Nettospielzeit hatten die Hessen mit 25:17, 24:26, 25:21 und 30:28 knapp den Tiebreak abwehren können und machen damit zwei Punkt auf den Tabellenvierten aus Westfalen gut.
Wiley beginnt
Nach der Erkältung von Kapitänin Andrea Berg unter der Woche, entschied sich Büring, neben den derzeit gesetzten Michaela Jelinkova (Zuspiel), Hana Cutura, Lonneke Sloetjes, Ines Bathen (Angriff), die US-Amerikanerin Mindi Wiley neben Lea Hildebrand in Block beginnen zu lassen. Die 23-Jährige allerdings musste ihren Platz recht früh räumen, bei 9:13 schickte Büring dann Berg für Wiley ins Rennen. Nach einer eigentlich recht ausgeglichenen Anfangsphase, die zunächst Wiesbaden leicht vorne sah (8:6) fing sich Münster mit seiner Kapitänin auf dem Feld und hatte sich schnell wieder auf 15:15 herangekämpft. Doch irgendwie schafften es die Gäste nicht, diese psychisch vorteilhafte Situation auszunutzen. Im Gegenteil: Auf einmal klappte kaum noch was, bei 15:18 nahm Büring seine zweite Auszeit, dann brachte er nacheinander Kristin Kasperski, Sina Fuchs und Zuspiel-Youngster Tess von Piekartz – ohne Erfolg, 22:16 führten die Hessen und spielten auch den Rest-Satz problemlos runter.
USC gleicht aus
Büring ließ für den zweiten Durchgang dann zunächst Fuchs für Bathen auf der Außen-Annahmeposition weitertun, änderte das erst gegen Satzmitte. Münster zeigte sich deutlich verbessert gegenüber dem ersten Set und schien nun richtig angekommen in der Halle am Konrad-Adenauer-Ring. Fast gleichauf (meist leichte USC-Führungen) lagen die Teams bis weit in den Satz hinein, dann war es ein Zwischensprint der Unabhängigen, der für das 20:17 sorgte – ein Vorsprung, von dem die Gäste im Satz-Finish noch zehren sollten. Mit dem zweiten Satzball war der Ausgleich perfekt.
Aufholjagd verpufft
Doch nahm sich danach Münster ein Stück zurück, respektive Andy Vollmers Wiesbadenerinnen machten – vor allem über den dem USC am Samstag überlegenen Angriff – wieder erhöhten Druck. Das liegt im Auge des Betrachters. Auf jeden Fall gehörte die erste Hälfte des dritten Durchgangs den Hessen, die streckenweise drei bis fünf Ballpunkte zwischen sich und ihren Gegner legen konnten. Parallele zum ersten Set: Auch hier schaffte der USC es, nach einem scheinbar uneinholbaren Rückstand von 10:16 noch, bei 20:20 auszugleichen. Vergebliche Liebesmüh sollte sich herausstellen, mit 5:1 Punkten in Folge sorgte Wiesbaden für einen doch noch souveränen Satzgewinn zum 2:1.
17:11-Führung verspielt
Spielentscheidend war dann schließlich die große Schwester der bisherigen USC-Schwächeperioden in dieser Partie. Man kann es kaum anders nennen, die Münsteraner brachten sich selbst um einen möglichen Erfolg, zumindest aber um den Tiebreak, der bei einer 17:11-Führung (!) Gestalt anzunehmen schien. Bei 20:20 war der schöne Vorsprung dahin, und nun hatten die Gastgeber – natürlich auch mit der Halle im Rücken – die entscheidende Nuance mehr zuzusetzen im Endspurt. Das konnten auch die auf USC-Seite überragenden Angreiferinnen Lonneke Sloetjes (22 Punkte) und Hana Cutura (16) nicht verhindern. Schließlich waren es die Wiesbadenerinnen, die nach 119 Minuten den allerletzten Punkt machten, und sich damit auch für das 0:3 im Hinspiel revanchierten.
Büring: “Keinen Vorwurf machen!”
Axel Büring war nach der Niederlage natürlich enttäuscht, aber nicht sauer: “Emotional und vom Engagement kann ich keiner Spielerin einen Vorwurf machen”, so der 44-Jährige, der allerdings auch gestand, dass sein Team sowohl im Zuspiel, als auch im Block schon deutlich bessere Tage hatte. Büring weiter: “Solche Sachen wie im vierten Satz passieren im Volleyball, dafür gibt es viele Faktoren. Was mich ärgert ist, dass wir den ersten Set nicht offen gestalten konnten. Ansonsten war es ein Match auf Augenhöhe.”
Ein Beinbruch ist die sechste Saisonniederlage für die Westfalen nicht, allerdings hat der Liga-Vierte in diesem Monat auch noch Aufgaben gegen Spitzenreiter Vilsbiburg, den immer noch amtierenden Pokalsieger SA Stuttgart, gegen den direkten Verfolger VfB Suhl und beim Überraschungsteam KSC Berlin zu absolvieren. Die Luft im Kampf um den Play-off-Platz vier, der für das Büring-Team ein überragendes Ergebnis wäre, wird nach der Wiesbaden-Niederlage in jedem Fall dünner.
(Quelle: Echo-Münster/Lutz Hackmann)